Ortsteil-Porträt Köttingen: Fränkische Wurzeln, gräfliche Felder und die zwei Gesichter des Dorfes
Köttingen ist ein Dorf mit zwei Gesichtern: fränkische Gründung am Rand der Ville, jahrhundertelang Pfarre und Honschaft Liblars, später Bergarbeitersiedlung im Schatten der Braunkohle. Wer Köttingen kennt, kennt beides — den kleinen Bauern und den Kumpel.
Eine fränkische Gründung am Rand der Ville (1166)
Köttingen wird 1166 erstmals genannt. Wie die Orte mit -heim und -dorf ist es in fränkischer Zeit gegründet worden; der Name ist im westdeutschen Raum mehrfach belegt und nicht eindeutig geklärt. Köttingen gehörte zur Honschaft und Pfarre Liblar im Amt Lechenich, nach 1630 zur Unterherrschaft Liblar. Der Liblarer Mühlengraben fließt im Osten am Ort vorbei, die B 265 verläuft zwischen Köttingen und Liblar.
Lehnshöfe des Stifts Dietkirchen
Das Bonner Stift Dietkirchen besaß mehrere Lehnshöfe in Köttingen. Wer einen Hof bewirtschaftete, war vom Stift abhängig — mit Zins, Dienst und Lehnsfolge. In der Säkularisation unter Napoleon wurden die geistlichen Güter verkauft; mancher Köttinger Hof wurde so erstmals freies Eigentum.
Kleinbauern und der Gemeindebroich
Die meisten Einwohner waren Kleinbauern oder Tagelöhner, die nur wenige Parzellen Land bewirtschafteten. Der Gemeindebroich — Gemeindeland, das gemeinsam genutzt wurde — war schon um 1770 fast vollständig im Besitz der Grafen Wolff Metternich. Wer kein eigenes Land hatte, arbeitete auf fremdem.
Braunkohle und die zwei Gesichter
Ende des 19. Jahrhunderts begann der Braunkohlebergbau das Dorf zu prägen: Eine Bergarbeitersiedlung entstand, viele Köttinger verdienten ihren Lohn in Gruben und Brikettfabriken. Der Ort bekam, so ein Chronist, „zwei Gesichter" — das des Bauern und das des Bergmanns. Heute ist Köttingen ein Wohnort am nordöstlichen Rand der Stadt.
Köttingen heute
Mit rund 3.544 Einwohnern ist Köttingen ein lebendiger Ortsteil, dessen Geschichte von der Honschaft zur Bergarbeitersiedlung reicht. Wer hier wohnt, wohnt zwischen Ville, Mühlengraben und der Erinnerung an die Braunkohle.
Quellen: Wikipedia (Köttingen), ErftstadtWiki, Wikimedia Commons (Erftstadt-Köttingen Kirchstraße).
