Warum zählt man beim Tennis 15-30-40?
WissenQuelle: Redaktion erftstadt.today

Warum zählt man beim Tennis 15-30-40?

Stand: 5. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden

Nach dem ersten Punkt steht es 15, nach dem zweiten 30, nach dem dritten 40. Wer Tennis zum ersten Mal verfolgt, hält das für einen Scherz, und die Herkunft dieser Zählweise ist tatsächlich ungeklärt.

Eine Ballade aus dem Jahr 1435

Der früheste Beleg kommt aus der Dichtung. Der französische Dichter Charles d'Orléans erwähnte 1435 in einer Ballade „quarante cinq“, also 45. Aus dieser 45 wurde später unsere 40. Warum, weiß niemand sicher. Die Schweizer Zeitung Blick gibt die Vermutung wieder, „quarante“ sei für Schiedsrichter einfach bequemer auszurufen gewesen als „quarante cinq“. Ein lateinischer Satz aus dem Jahr 1522 kennt die 45 übrigens noch. Sinngemäß heißt es dort, man liege 30 vorn und dann 45 vorn.

Die Uhr und ihr Minutenzeiger

Am bekanntesten ist die Uhr-Theorie. Ein Zeiger rückt in Vierteln vor, 15, 30, 45, 60, und so sei auch der Spielstand angezeigt worden. Das Problem dabei ist, dass Uhren erst ab etwa 1690 regelmäßig einen Minutenzeiger hatten.

Ganz erledigt ist die Idee trotzdem nicht. Die Uhren der Kathedrale von Wells (1386) und von Rouen (1389) hatten Zifferblätter mit 60 Minuten und schlugen die Viertelstunden. Für das 15. Jahrhundert wäre das Bild also nicht völlig abwegig.

Fünfzehn Fuß vorrücken

Eine zweite Erklärung führt zum Jeu de Paume, dem Vorläufer des Tennis. Auf dem rund 90 Fuß langen Feld soll der Aufschläger nach dem ersten Punkt 15 Fuß vorgerückt sein, nach dem zweiten noch einmal 15 und nach dem dritten weitere 10. Das ergäbe zusammen 40 Fuß und damit 15, 30 und 40, und genau das macht die Geschichte so hübsch.

Sie hat allerdings einen Haken. Die Plätze waren damals gar nicht einheitlich lang, einen Standard gab es nicht. Wikipedia hält die Theorie deshalb für wenig plausibel.

Blick erzählt eine Variante mit Geld. Beim Jeu de Paume sei im 14. Jahrhundert um Einsätze gespielt worden, mit einer Münze im Wert von 15 Denier pro Punkt. So hätte sich 15, 30, 45 ergeben. Belegt ist auch das nicht.

Wer es damals wirklich wusste

Die ersten veröffentlichten Erklärungsversuche stammen von 1555, ein weiterer von 1579. Da wurde schon seit über 100 Jahren so gezählt, die Autoren rieten also selbst. Wikipedia nennt außerdem das Rechnen in Sechzigern, das aus sehr frühen Kulturen bekannt ist. Vier Viertel zu je 15 ergeben 60. Auch das bleibt eine Vermutung.

Als 2021 Profis wie Francis Tiafoe, Diego Schwartzman und Reilly Opelka nach der Herkunft gefragt wurden, konnte laut Blick keiner sie erklären.

Quellen: Wikipedia (Tennis scoring), Blick

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