Vor OrtQuelle: Redaktion frechen.today

Frechener Keramik: Bartmannkrüge, Kannenbäcker und das Keramion

Stand: 2. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden

Frechen war über rund 350 Jahre eines der wichtigsten Zentren für rheinisches Steinzeug – berühmt vor allem für den Bartmannkrug, einen bauchigen Krug mit bärtigem Gesicht, der bis nach England exportiert wurde. Diese Tradition lässt sich bis heute in der Stadt erleben: im Museum Keramion, auf dem Keramikweg und an historischen Brennöfen.

Wie das Steinzeug nach Frechen kam

Die Kölner Kannenbäcker – so hießen die Töpfer, die Krüge und Kannen brannten – stellten bereits ab Mitte des 15. Jahrhunderts echtes Steinzeug her. Die Öfen in der Stadt waren aber unbeliebt: Sie bedeuteten Brandgefahr, und das Salzglasieren verursachte beißenden Gestank. Der Kölner Rat schränkte die Produktion deshalb immer weiter ein; ab 1566 waren in Köln keine Steinzeugöfen mehr erlaubt. Viele Kannenbäcker zogen ins nahe Frechen, wo es die passenden Tonvorkommen gab.

In Frechen begann die Steinzeugherstellung vermutlich kurz nach 1500, urkundlich erwähnt ist sie erstmals 1544. Die Blütezeit lag im 16. und 17. Jahrhundert. Anders als viele andere Töpferorte konnte Frechen ohne größere Unterbrechung durch Krisen oder Kriege bis ins späte 19. Jahrhundert produzieren.

Der Bartmannkrug: Frechens Markenzeichen

Der Bartmannkrug ist ein birnen- oder kugelförmiger Trink- und Schankkrug mit einer bärtigen Gesichtsmaske an Hals und Schulter. In Frechen wurde er besonders häufig und kunsthandwerklich hochwertig gefertigt, und zwar bis ins 18. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit wandelten sich die Gesichter von gütig zu grotesk.

Typisch für Frechen ist die fleckige, an Schildpatt erinnernde braune Oberfläche: Die Töpfer überzogen den hellen Steinzeugton mit eisenhaltigem Schlicker und glasierten im Ofen mit Salz. Ein Beispiel ist ein auf 1593 datierter Frechener Bartmannkrug im Keramion, 20 Zentimeter hoch, mit drei Wappenauflagen.

Exportschlager bis nach England

Über Köln und die Niederlande gelangten Frechener Krüge nach England, wo sie ab Mitte des 16. Jahrhunderts die bis dahin gängigen Gefäße aus Raeren verdrängten. Englische Werkstätten versahen sie oft mit Deckeln aus Zinn oder Silber. Rheinisches Steinzeug verbreitete sich mit dem europäischen Handel auch bis nach Amerika und Afrika.

Vom Krug zum Kanalrohr

Die Keramiktradition endete nicht mit den Krügen. 1852 gründete Heinrich Eduard Sticker in Frechen die erste Röhrenfabrik. Steinzeug-Kanalrohre sind bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt.

Frechener Keramik heute erleben

OrtWas man siehtHinweis
Keramion, Bonnstraße 12Historisches Frechener Steinzeug und moderne Keramik, Sammlung Cremer mit rund 5.000 UnikatenDi–So 11–17 Uhr, Eintritt 7 € (ermäßigt 5 €), unter 16 Jahren frei (laut Museum)
Historische Brennöfen, BroichgasseTöpferöfen aus dem 17. bis 19. JahrhundertVon außen einsehbar
Bartmann-Skulptur, Hauptstraße2,39 Meter großer Bartmannkrug von 1951Frei zugänglich
Keramikweg35 Stationen mit historischer und moderner Keramik im StadtbildGanzjährig, auf eigene Faust

Das Keramion

Das Museum ist selbst ein Ausstellungsstück: Das 1971 von Architekt Peter Neufert und Ingenieur Stefan Polónyi errichtete Gebäude ist einer Töpferscheibe nachempfunden, das runde Dach misst rund 32 Meter im Durchmesser. Bauherr war der Steinzeugunternehmer und Sammler Gottfried Cremer. 2002 wurden seine Sammlung und die städtische Sammlung zur Stiftung Keramion zusammengeführt; im selben Jahr wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt.

Wichtig für Besuche im Herbst 2026: Seit September 2026 wird die Präsentation „Kulturelles Erbe“ neu gestaltet, das Erdgeschoss ist im Umbau. Das Museum bittet, Besuche dienstags bis freitags vorher per E-Mail an info@keramion.de anzumelden. Ab 8. November 2026 läuft die Ausstellung „Vorsicht Genuss | Caution Delight. Tee“ (bis 24. Januar 2027).

Der Keramikweg

Der Keramikweg verbindet 35 Stationen in Frechen: neben Keramion, Brennöfen und Bartmann-Skulptur etwa Fassaden und Portale der Ooms'schen Keramik (1919–1934) und Gebäude mit KerAion-Platten aus den Jahren 1971/72. Alle Stationen sind auf der Seite des Keramion beschrieben.

Frechener Töpfermarkt

Der Töpfermarkt findet traditionell jedes Jahr im Mai statt, veranstaltet von der Stiftung Keramion gemeinsam mit der Stadt Frechen. Der Termin für 2027 war bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht.

Quellen: Stiftung Keramion (keramion.de, Keramikweg, Besuch, Töpfermarkt), museum-digital:rheinland, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Wikipedia („Frechener Steinzeug“, „Keramion“). Stand: Oktober 2026.

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